Bernhard Schlink – Olga

//Bernhard Schlink – Olga

Bernhard Schlink – Olga

Nicht unbedingt von allen literarischen Erzeugnissen des Autors ganz überzeugt, bin ich doch von seinem aktuellen Roman „Olga“ begeistert. Das Buch erzählt die Lebensgeschichte einer im ausklingenden 19. Jahrhundert in Breslau geborenen, bei der Großmutter in Pommern aufgewachsenen und später als Lehrerin arbeitenden Frau, die es dann nach Ostpreußen verschlägt, bevor sie schließlich am Neckar in Heidelberg landet. Olga geht trotz vieler widriger Bedingungen konsequent ihren Weg und tut stets und unerschütterlich das, was ihrer Meinung nach getan werden muss.

Gleichzeitig ist „Olga“ eine wunderschöne Liebesgeschichte, die weit über Raum und (Lebens-)Zeit hinausgeht. Herbert, adliger Gutsbesitzersohn und Abenteurer, der kaum eine Sekunde innehalten und sich auf den Augenblick, geschweige denn auf etwas anderes, konzentrieren kann und schon als Kind permanent „laufen“ muss, und Olga, die von klein auf alles um sich herum mit größter Aufmerksamkeit beobachtet und von großem Wissensdurst geprägt ist, werden zu einem Paar.

Aufgeteilt ist der Roman in drei große Erzähleinheiten. Im ersten Teil wird aus neutraler Erzählperspektive die Geschichte von Olga und Herbert durch die Kriegszeiten hindurch bis Anfang der 50er Jahre und hin zu Olgas „Neuanfang“ als Näherin in einer Heidelberger Familie erzählt. Im zweiten Teil schließt sich eine Ich-Erzählung aus der Perspektive Ferdinands, des Sohnes jener Familie, an. Dieser lernt Olga als Kind und in deren letzten Lebensjahren kennen und steht ihr bis zu ihrem Tod und über diesen hinaus nahe. Der letzte Teil des Buches besteht ausschließlich aus Briefen, die Olga bis weit in die 70er Jahre hinein postlagernd ins nordnorwegische Tromsö an Herbert, der 1913 zu einer Arktisexpedition aufgebrochen war, von der er nie zurückkehrte, schrieb und die durch das Bemühen Ferdinands wieder auftauchen, so dass sich für die Leser am Ende „der Kreis schließt“.

Obwohl auch in diesem Roman die „Konstruktionsfreude“ Schlinks zum Tragen kommt, der es zudem liebt, große und (manchmal allzu) gewichtige Zeiträume erzählerisch einzubinden, hat er mir sehr gefallen und mich Olgas Geschichte berührt. Ein empfehlenswertes Buch und ein schönes Geschenk!

Link zum Buch

2018-04-21T13:34:13+00:00