Gun Love von Jennifer Clement

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Gun Love von Jennifer Clement

Ein Trailerpark am Rande einer üble Dämpfe ausstrahlenden Müllhalde, nicht weit davon der verseuchte braune Fluss voller Alligatoren, an dem Schießübungen durchaus auch mit Kindern stattfinden. Ein 14jähriges Mädchen, das seit seiner Geburt dort mit der Mutter in einem „stillgelegten“ Auto wohnt. Beide trotz der Umstände glücklich mit ihrem Leben und der Gemeinschaft mit den wenigen Nachbarn, bis ein Mann in das Leben der Bewohner (und insbesondere der Mutter) tritt und mit ihm Gewalt, Kriminalität (mehr als die „übliche“) und Tod in den Park einziehen und die Geschehnisse ihren unweigerlichen Lauf nehmen…

Tiefe Liebe und intensive Freundschaft, harte Realität und magische Traumwelt, Aberglaube, Schönheit und nicht zu beseitigender Schmutz gehen in diesem Buch Hand in Hand – erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive der jungen Pearl, die von ihrer äußeren Erscheinung als sehr besonders, weil „schneeweiß“, beschrieben wird. Dieses ist nicht nur außergewöhnlich, sondern auch – betrachtet man die äußeren Umstände – ziemlich düster-depressiv. Durch die Beschreibung der jungen Protagonistin jedoch durchaus mit Helligkeit, Kraft und Leichtigkeit durchzogen ist. Fast spielerisch-leicht und fließend treibt die Handlung nach vorne und schließlich auf ihr im Grunde einzig mögliches Ende zu.

Das Erzählte zeigt eine Seite der amerikanischen Gesellschaft, in der Waffen- und Drogenhandel an der Tagesordnung sind, ein Menschenleben nicht allzu viel wert und für Kinder die Schule eher ein Nebenschauplatz ist, diese vielmehr früh lernen müssen, wo Gefahren lauern und wie man sich effektiv davor schützen kann. 

Wunderbar leicht und flott liest sich der Text, die Übersetzung holpert an keiner Stelle, so dass er aus einem Guss erscheint und sich auch auf Deutsch flüssig lesen lässt. Trotz seines nicht leicht verdaulichen Inhalts hat das Buch nichts Moralisierendes und Bewertendes dank der Schilderung der Geschehnisse aus der kindlich-naiven Sicht der jungen Protagonistin, für die das Geschilderte ja „normaler“ Alltag ist – was aber umso stärkere Wirkung beim Lesen erzielt. 

Ein Buch, das durch Leichtigkeit besticht und neben seinen „dunklen“ Seiten auch mit viel Kraft und Helligkeit aufwartet, einen richtig fesselt und Einblick in eine (noch?) sehr (us-)amerikanische Welt gibt.

Link zum Buch

2018-12-20T11:59:30+00:00